Frohe Weihnachten

25 12 2007

Was für ein Weihnachten.

Weihnachten in der Wärme erscheint einem als geborener Nordhalbkugeler irgendwie ein Wenig merkwürdig vor. Wieso trägt der Weihnachtsmann auch hier bitte einen dicken Mantel, wenn das Thermometer 44 Grad zeigt (22. Dezember, zu gegeben).  Und, warum sind auch in Brasilien auf fast allen Weihnachtskarten Tannenbäume, obwohl es die hier kaum gibt (ich wollte erst garnicht schreiben, weil ich hier noch nie irgendeinen Nadelbaum gesehen habe, meine Gastfamilie hatte aber wohl schon echte Tannenbäume, aber die müssen dann wohl importiert gewesen sein?).

Rentiere sind näturlich ebenfalls ein beliebtes Motiv hier,  auch wenn die bestimmt in Brasilien innerhalb von Stunden schmelzen würden.

Aber nicht nur, dass es mein erstes Weihnachten fern der nordischen Kälte war,  was, wie schon gesagt, merkwürdig genug ist, sondern noch einige andere, zum Teil bizarrere,  Dinge sind mir dieses Jahr beim Fest widerfahren.

Weil ich seit Samstag krank bin, es lebe die Halsentzündung oder was es nun genau ist, bin ich kurz vorm Weihnachtsfest noch in die Notaufnahme gefahren, mit der Ärztin da geredet dass die mir Antibiotika verschreibt, hat sie dann auch getan.

Das brasilianische Krankensystem hat aber einen bedeutend schlechteren Ruf als es verdient hat. Zumindest hier im Süden, ging recht fix, war nicht überfüllt, alles sauber, die Leute kompetent (oder wirkten zu mindest so). Wobei, bis auf die Sekretärin. Die hat es doch tatsächlich geschafft, meinen Namen falsch zu schreiben, obwohl ihr mein Personalausweis vorlag. Die Aussprache beim Aufruf ganz zu schweigen, dass kann ich eigentlich verschmerzen, weil ich inzwischen daran gewöhnt bin, aber dieses Mal, musste ich wirklich überlegen, ob ich gemeint war. Aber besser Fehler bei der Aussprache als beim Rezept.

[Nebeninfo: in die Notaufnahme darf man nur Begleitung mitnehmen, wenn man unter 18, oder über 60 ist. Was hätte ich also gemacht, wenn ich schon über 18 gewesen wäre? Ich spreche portugiesisch an und für sich schon relativ sicher, aber nicht so sicher, dass ich Lust hätte, damit allein zum Arzt zu gehen.]

Dann mit dem Rezept zur Apotheke gegenüber gegangen, ein sehr komisches Gespräch mit der Verkäuferin gehabt, welches ich aber nicht aufschreiben werde, weil mir die Worte fehlen, um zu beschreiben, wie ‘herzlich’ sie war. Nicht dass sie aufgesetzt herzlich war, sie war mehr verzweifelt herzlich. Vielleicht musste sie komplett Heiligabend arbeiten und hat versucht das zu kompensieren.

Dann sind wir nach Hause.

Danach dann zum Familienfest.
Wir kamen so gegen 9 Uhr an, um halb 10 hatten wir einen Stromausfall. Das Licht ging an, aus, an, aus, an, aus. Dann blieb es aus. Es flackerte noch ein, zwei mal, einmal geht es sogar für fast eine Minute wieder richtig an, aber eigentlich, ist es zappenduster.

Und das bis halb 1 nachts. Dann wurde angefangen, beim Schein des Handydisplays zu essen und Kerzen zu suchen. Am Anfang war das Gelächter natürlich gross, alle fingen an zu witzeln ‘Da siehst du mal wie das hier in Brasilien ist.’

Später wurde dann gewichtelt, wobei ich eine weitere brasilianische Tradition gelernt habe. Ich habe meinem Gastonkel ein Messer geschenkt, er hat darauf rumgefragt ‘oh, wer ein Real (Währung Brasiliens), ein Real?’ Wundere mich, und frage mich, was er damit denn will. Als er dann endlich einen aufgetrieben hat, gibt er mir den und sagt ‘Ist Tradition, wenn man ein Messer geschenkt kriegt, muss man den Schenker bezahlen, egal wie wenig, sonst wird die Freundschaft zerschnitten’.

War ein wirklich sehr nettes Weihnachtsfest.

Hoffentlich hattet oder habt ihr alle auch alle schöne Festtage.


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